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Fracking

17 April 2015

Auf wackeligem Boden

Risiken und Nutzen der Fracking-Technologie in Kanada

Fracking bezeichnet die Gewinnung von Gas und Öl mittels hydraulischem Aufbrechen eines Bodens. Schon mindestens seit den 50er  Jahren wird Fracking eingesetzt, hat aber erst durch die Verteuerung der herkömmlichen Ölförderung an Bedeutung gewonnen. Heute wird es auch angewandt bei der Erschließung tiefer Grundwasserleiter für die Wassergewinnung und zur Verbesserung des Wärmetransportes bei der tiefen Geothermie eingesetzt, allerdings ohne die umstrittenen Stützmittel oder chemischen Zusätze bei der Öl- und Gasförderung. Fracking wird derzeit von der Deutschen Regierung diskutiert und wahrscheinlich bald unter bestimmten Bedingungen freigeben wird, wie es heißt.

Inzwischen überall auf der Welt ein heißes Eisen, ist es zuletzt zum Fokus bei den kanadischen Provinzwahlen in New Brunswick geworden.

Die Technik des Fracking umfasst das Herunterbohren in den Fels in einer Tiefe von mindestens 3000 Meter und weiteren 300 bis 1500 Meter horizontal. Dann wird Wasser gemischt mit Sand und Chemikalien eingeschossen. Es ist im Grunde nichts als ein Rütteln am Felsen, bis sich das untenliegende Gas oder Öl sammelt und an die Oberfläche gefördert werden kann. Die Bohrfirmen perfektionieren permanent ihre Methode. Sie haben erkannt, dass man nicht mehr immer tiefer bohren muss, sondern immer stärker horizontal.

In den letzten 10 Jahren haben Fracking-Firmen an Bedeutung zugenommen. Während der Rezession von 2008 haben Gegenden wie Pennsylvania oder  Saskatchewan das Fracking als Möglichkeit erkannt, Arbeitsplätze und wirtschaftliches Wachstum zu schaffen.

Hauptkritik am Fracking in Kanada. Die Wasserqualität und –quantität waren von Anfang an die Hauptbedenken der Bevölkerung. In Saskatchewan gibt es nicht viel Oberflächenwasser, so dass die Bohrfirmen ihr Wasser vom Grundwasser beziehen. Damit entnehmen sie Wasser, das für andere Dinge wie Landwirtschaft benötigt wird. Es ist nicht klar, ob die Bohrfirmen durch die chemischen Beimengungen die Grundwasserleitungen verschmutzen. Auch ist nicht klar, was hinterher geschieht. Das bei Fracking verwendete Wasser wird zwar zunächst recycelt, aber am Schluss muss es gespeichert werden. Dabei kann es aber möglicherweise in den Boden sickern und das Grundwasser verschmutzen.

Chemikalien beim Fracking. Die offiziell verfügbaren Information geben nur einen Hinweis auf die Klassifizierung der Chemikalien, nicht deren Zusammensetzung. Das erscheint manchen Leuten natürlich verdächtig. Und wenn das Wasser anschließend aus dem Felsen ins Erdreich zurückgepumpt wird, enthält es nicht nur die Chemikalien, die zugesetzt wurden, sondern auch Schwermetalle kommen aus der Erde hoch. Damit verwendet die Industrie ganz legal eine Methode¸ bevor die  Wissenschaft die Risiken erforschen kann und dem Gesetzgeber ermöglicht, regulierend einzugreifen. Und selbst wenn ein Risiko sichtbar wird,  sieht man, wie Gesetzgeber unterschiedlich entscheiden. Nova Scotia blockt Fracking, Quebec ebenso, aber Saskatchewan gibt grünes Licht.

Die ökologischen Auswirkungen in Saskatchewans. Das Ökosystem des Weidenlands in Saskatchewan ist eines der meistbedrohten in Nordamerika und es ist das einzige Ökosystem, das die Vereinigten Staaten, Kanada und Mexiko umfasst. Die Problematik wird ersichtlich durch die Auswirkungen auf die Natur: die Population des  Beifußhuhns, das innerhalb eines Zwei-Meilen-Radius einer Öl- und Gasplattform nicht erfolgreich balzen kann, ist in den letzten zwei Jahrzehnten zu 95% zurückgegangen und wird in Kanada aussterben.

Die Zukunft des Frackings in Kanada. Es ist unwahrscheinlich, dass Saskatchewan aus einem ökologischen Grund das Fracking stoppen wird. Aber es gibt Dinge, die verbessert werden könnten, um die Auswirkung zu minimieren. Die Regierung könnte die Öffentlichkeit auch stärker auf das Thema lenken, um die Geheimnistuerei rund um das hydraulische Aufbrechen zu beenden.

Aber dennoch bleibt die Frage:  wie kann man etwas regulieren, das wir nicht verstehen? Wie kann man Gesetze erlassen, wenn man das Ausmaß des Risikos noch nicht kennt?

Das Portal Energiezukunft meldet im Februar 2015:

„In Kanada ist das stärkste bislang durch Fracking nachgewiesene Erdbeben registriert worden. Ende Januar bebte die Erde mit einer Stärke von 4,4 auf der Richterskala. Eine US-Behörde spricht von noch nie dagewesenen menschengemachtenErdbeben.“ http://www.energiezukunft.eu/ueber-den-tellerrand/kanada-fracking-loest-bislang-groesstes-erdbeben-aus-gn102897/