Kanadische Rechtskultur

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Kanadische Rechtskultur

7 January 2013

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Manchmal muss man sich fragen, ob Kanzleien auch das vorleben, was sie für ihre Mandanten von anderen einfordern, nämlich Verantwortungsbewusstsein und das Einstehen für Versäumnisse.

So mussten wir tatsächlich eine Forderung  für einen Künstler einklagen, der einer namhaften Kanzlei in München ein Kunstwerk zur Verfügung gestellt hatte, welches in den Räumen der Kanzlei beschädigt wurde. Die Parteien hatten einen Leihvertrag abgeschlossen, der den Preis des Kunstwerks enthielt, wie auch die Bedingungen, unter welchen das Werk der Kanzlei zur Verfügung gestellt werden würde.

Das Problem fing damit an, dass die Kanzlei dem Künstler noch nicht einmal mitgeteilt hat, dass das Werk beschädigt wurde. Dies wurde erst bei der Abholung des Bildes aus den Kanzleiräumen festgestellt. Nachdem unser Mandant den Verkaufswert des Bildes von der Kanzlei einforderte, teilte ihm der geschäftsführende Partner der Kanzlei mit, man wäre bereit, die Kosten des Papiers und der Tinte bzw. der Anfertigung eines weiteren Druckes zu zahlen, weil es sich „lediglich“ um einen limitierten Druck handelte und nicht ein Originalwerk.

Dies wirft tatsächlich eine interessante  Frage auf: hat nur ein Originalwerk einen Wert oder ist dies auch bei einer limitierten  Auflage von Kopien eines Originalwerks der Fall? Bei einem renommierten Künstler, dessen Werke für den Kunstmarkt bereits einen bestimmten Wert haben, muss diese Frage bejaht werden, denn es würde den Wert der streng limitierten Auflage eines Werks völlig untergraben, wenn der Künstler eine beliebige Anzahl von zusätzlichen Kopien einer zahlenmäßig begrenzten Auflage drucken lassen könnte, wenn er (oder seine Galerie) feststellt, dass weitere Interessenten für die Auflage vorhanden sind, aus welchen Gründen auch immer.

Dies ist auch der Fall bei der Herstellung von Münzen. Wenn eine Gedenkmünze aus einer streng limitierten Auflage zerstört wird, kann man sich nicht einfach an die Münzanstalt wenden, um eine  Nachprägung zu erhalten, denn hierdurch würde der Wert der limitierten Auflage der Gedenkmünze vermindert werden. 

In unserem Fall sah es der Richter genauso - insbesondere, weil auch der Leihvertrag eine klare Aussage über den Preis des Werks enthielt. Nachdem auch manchmal Kanzleien sich nicht an Verträge halten, möchten wir jedoch empfehlen, ein derartiges Geschäft nur unter der Voraussetzung einzugehen, dass von demjenigen, der sich ein Kunstwerk ausleiht, auch eine Kaution hinterlegt wird, denn dann läuft nicht der Künstler seinem Geld hinterher, sondern derjenige, der sein Werk beschädigt hat, muss erst einmal nachweisen, dass er hierfür nicht einzustehen hat.