Strengere Richtlinien unter dem Ontario Disability Act

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Strengere Richtlinien unter dem Ontario Disability Act

12 March 2012

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Lange Zeit war man der Meinung, dass deutsche Rechtsanwälte mehr auf die Einhaltung von Form bedacht seien als Ihre kanadischen Kollegen. Aber jetzt, unter einer neuen Richtlinie zur Durchsetzung des Ontario Disabilities Act, müssen Rechtsanwaltskanzleien in Ontario mit 20 oder mehr Angestellten ihre Dienste behinderten Personen vollkommen zugänglich machen. Sie müssen auch Kopien ihrer Richtlinien, Pläne und Vorgehensweisen für die Beratung von Behinderten jedem zugänglich machen, der es verlangt. Die neue Richtlinie trat am 1. Januar 2012 in Kraft.
Die bereitgestellte Richtlinie muss Informationen enthalten, auf welche Weise Behinderte Rechtsberatung erhalten können und sicherstellen, dass ihnen die gleichen Dienstleistungen genauso zugänglich gemacht werden wie Menschen, die keiner Behinderung unterliegen. Notwendige Zusatzdienste könnten zum Beispiel ein spezielles Telefonsystem für Schwerhörige beinhalten oder Audioformate gedruckter Materialien für Sehbehinderte. Rechtsanwaltskanzleien müssen ihre Einrichtungen natürlich auch Rollstuhlfahrern vollständig zugänglich machen.
Die neue Richtlinie könnte zur Folge haben, dass die Vertraulichkeit der Anwalt-Mandanten-Beziehung verdeutlicht werden muss. Wenn sich zum Beispiel ein behinderter Mandant  der Unterstützung einer anderen Person bedient, während er sich mit einem Anwalt bespricht, muss der Anwalt exakt klarstellen, wer der Vertraulichkeit unterliegt. Kanzleien müssen daher für ein Training Ihres Personals sorgen, um sie auf einen Umgang mit solchen Situationen vorzubereiten, genauso wie auf eine effektive Kommunikation mit ganz unterschiedlich behinderten Menschen. Behinderten muss auch die Gelegenheit gegeben werden, mit einem Feedback in schriftlicher Form die Kanzlei über ihre Servicequalität zu informieren.
Diese Anforderungen lassen einen Bruch erkennen von einer, verglichen mit Deutschland, insgesamt eher entspannten Vorgehensweise der Kanadischen Rechtskultur. In Deutschland, zum Beispiel, hat ein Mandant das Recht, eine Kopie der gesamten Korrespondenz zu verlangen, die sein Anwalt in dieser Angelegenheit geschrieben oder erhalten hat, während ein Mandant  in Ontario und anderen Provinzen lediglich das Recht hat, über den Fortgang der Angelegenheit informiert zu werden. Sobald es jedoch dazu kommt,  dass die Mandanten eine Behinderung haben, scheint es, dass Anwaltskanzleien in der Provinz Ontario viel transparenter in ihrer Rechtsberatung werden müssen.