Zweisprachige kanadische Premierminister

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Zweisprachige kanadische Premierminister

26 January 2012

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Um Quebecs separatistischen Parteien keinen Raum zu geben, wurde es schon immer als wichtig erachtet, dass der kanadische Premier sowie die politischen Parteiführer (als potentielle Premieranwärter) in der Lage sein sollten, die Frankokanadier in ihrer Muttersprache anzusprechen. Da aber die überwiegende Bevölkerung Kanadas englisch spricht, muss der Premierminister auch diese Sprache sprechen können.
Die Mehrheit der Premierminister Kanadas war bis zu einem gewissen Grad in beiden Sprachen geübt, besonders seit der Übertragung politischer Fernsehduelle, die sowohl in Französisch als auch in Englisch abgehalten wurden. Die anderen Minister waren jedoch nicht vollkommen bilingual.
Tatsächlich hatte Kanada gerade mal fünf Premierminister, die Englisch und Französisch gleichermaßen gut sprechen konnten: Wilfred Laurier (Premier von 1896 bis 1911); Louis St. Laurent, (von 1948 bis 1957), Pierre Elliot Trudeau (von 1968 bis 1979 und nochmals  von 1980 bis 1984), Brian Mulroney (von 1984 bis 1993) und Paul Martin (von 2003 bis 2004). Laurier war ein Frankokanadier, der schon in jungen Jahren Englisch gelernt hatte. Laurent und Trudeau waren beide Kinder von anglokanadischen und frankokanadischen Elternteilen und wurden von Geburt an zweisprachig erzogen. Mulroney wurde als Sohn von anglokanadischen Eltern geboren und wuchs im französischsprachigen ländlichen Quebec auf. Martin stammt aus Ontario, ist aber Frankokanadier und wurde ebenfalls von Geburt an zweisprachig erzogen.  Kein anderer Premier konnte dagegen im Erwachsenenalter in der jeweiligen Fremdsprache eine völlige Sprachbeherrschung erlangen.  
Trotz der Tatsache, dass niemand die linguistische Fähigkeit seiner Kindheit wiedererwecken  kann, hat Sprachbegabung  oft in Kanada die entscheidende Rolle in der Entscheidung gespielt, wer die Führer der verschiedenen politischen Parteien sein würden, insbesondere eine Herausforderung für kleinere politische Parteien, die gegen die großen Parteien antreten müssen. Da die großen Parteien jedoch weiterhin fürchten, die Quebecer könnten sich separatistischen Parteien zuwenden, wird die Forderung an Premierminister und Kandidaten für dieses Amt, beide Sprachen mit ausreichender Fertigkeit zu sprechen, in absehbarer Zeit sicherlich nicht verschwinden.